Samstag, 3. Januar 2015

Le moi & Happy New Year

Es gibt viele Dinge, die ich mag. Dazu gehören Vanilleeiscreme, der Duft von Lavendel, ungeplante Abenteuer, kaltes Bier, selbst Schokolade, worauf ich allergisch bin. Es gibt jedoch auch vereinzelte Dinge, die ich nicht mag. Eines davon beinhaltet bunte, grelle Lichtblitze und einen lauten Knall. Gewitter zum Beispiel oder wie in diesem Fall, Feuerwerk.

Ich hätte mich darüber freuen sollen, dass ich weder ein Faustschlag, noch einen Knall abbekommen hatte und nach einer kurzen Pause, in der ich den Himmel anschmollte, tat ich das dann auch. Ich begann, sehr zu meiner eigenen Überraschung,  an zu lachen. Darüber, dass ich enttäuscht war, keinen Knall gehört zu haben, dass ich beinahe achtzehn Jahre gebraucht hatte, um den einunddreissigsten Dezember unter freiem Himmel zu verbringen. Ich lachte darüber, dass ich trotz grosser mentaler Anstrengung, alle paar Sekunden meine Augen fest zukniff, darüber, wie lustig ich wohl ausgesehen habe, dass ich doch tatsächlich behauptet hatte, dass mich Feuerwerk verarschen würde und schlussendlich darüber, wie ich vollkommen alleine an Silvester durch die Strassen irrte und dabei lachte. 

Die Luft war schneidend kalt an diesem Abend und ich zog mir leicht fröstelnd meinen Schal über meine Nase und den rot geschminkten Mund. Vorsichtig setzte ich einen Fuss nach dem Anderen in den Schnee und hob meinen Blick Richtung Himmel, der mir schwarz und viel näher vorkam als in anderen Nächten. Ich strengte meine Augen an, die auf Distanz, in etwa so begabt waren, wie ein Wiesel, dass versucht einen Elfmeter zu schiessen, doch konnte keine Sterne erkennen. Hinter mir hörte ich das Lachen von Freunden, die ich kaum kannte, die über Themen diskutierten, von denen ich keine Ahnung hatte. Der Abend war eigentlichganz gut verlaufen, die Gläser waren immer voll und die Gespräche stets amüsant. 
Einzelne Haarsträhnen wehten mir ins Gesicht und kitzelten mich an meinen Wangen, während ich mich angestrengt an die einzelnen Namen, der, an der mitternächtlichen Szenerie beteiligten, Personen zu erinnern versuchte. Ich musste lächeln, als ich ein kleines Kind sah, welches, mit einer glitzernden Wunderkerze in der Hand, vor der Garage der Eltern tanzte und ein kleiner Hund dabei freudig um sie herum sprang. Ich schloss die Augen und ging den, vor meinem inneren Auge gespeicherten Weg weiter. Unter meinen Schuhsohlen sank bei jedem Schritt der Schnee ein wenig in sich zusammen und gab dabei ein knirschendes Geräusch von sich. Dies ist wohl auch eines der Dinge, die ich gerne mag oder um genau zu sein, automatisch mache. 
Ein nahes Zischen von der linken Seite liess mich innehalten. Ich hielt die Augen weiterhin geschlossen, doch hörte auf zu gehen und hielt den Atem an. Als ich klein war, hatte ich mich, um diese Zeit, immer im Keller versteckt. Ich konnte mich noch genau an das bunte Zelt erinnern, das ich mir jedes Jahr gebaut hatte, um mich vor dem Lärm zu verstecken, der draussen, am Himmel, bunte Muster in die Nacht zauberte, auch wenn dies keinen Sinn ergab. Ich bin jedoch kein kleines Mädchen mehr und trotzdem schliesse ich noch heute jedes Mal die Augen, wenn mir etwas zu laut ist.  
Ich wartete auf den lauten Knall, doch der blieb aus. Ich denke, diese Art von Feuerwerk mag ich am wenigsten. Ich bereite mich auf etwas vor, was ich selbst nicht definieren kann und das geschieht dann doch nicht. Ähnlich, wie wenn man reflexartig die Bauchmuskeln anspannt, weil man denkt, dass man eine Faust kommen sieht, die Person aber nur einen Fussel von deinem Pullover wegnehmen will. Es ist die Art von Feuerwerk, von der ich mich verarscht fühle.