Mittwoch, 22. April 2015

Träume, die Realität und ein bisschen Fantasie

Ich möchte diesen Eintrag nicht mit einer langen Einleitung beginnen, sondern gleich mit der Tür ins Haus fallen: Was wünschen Sie sich?

Jeder kennt diese Frage. Jeder hat diese Frage schon einmal gestellt und jeder hat sie schon einmal beantwortet.
Wenn man ein kleines Kind fragt, bekommt man Antworten wie: eine Hüpfburg, ein Pony oder ein neues Fahrrad, das mit dem rosa Glitzerlametta am Lenker. Und wenn sie dann tatsächlich ihren Wunsch erfüllt bekommen, strahlen sie über das ganze Gesicht und sind glücklich.

Ich habe mir eigentlich nie gross Gedanken über eben jene Frage gemacht, bis heute ein kleines Mädchen zu mir kam und mich, trotz des strengen Blickes der Mutter, einfach fragte, was mein grösster Wunsch sei.

Ich hatte nicht den Hauch einer Ahnung, was ich auf diese Frage antworten sollte.
Gefühlt ein halbes Leben starrte ich in die grossen, blauen Augen in dem pausbäckigen, runden Gesicht und brachte kein Wort über die Lippen. Die beschämte Mutter zog ihr unverblümtes Kind von mir weg, doch der Gedanke blieb. 
Da lernen wir die kompliziertesten Gleichungen, die unaussprechlichsten Fremdwörter und die kleinsten Atome der Welt in der Schule und eine simple Frage einer Sechsjährigen bringt mich so aus der Fassung?

Seit genau vier Stunden frage ich mich nun bereits, wann ich aufgehört habe mir Dinge zu wünschen. 
Ich kann mich noch erinnern, dass ich mir als kleines Mädchen immer gewünscht habe, die Heissluftballons am Himmel anfassen zu können. Ich hatte mir eine Strickleiter gebaut, um auf den grossen Kirschenbaum zu klettern, weil ich dachte, dass eines Tages bestimmt jemand tief genug fliegen wird, damit ich bloss den Arm auszustrecken brauche, um den seidigen Stoff zu berühren. Mit sieben wollte ich Superheldin werden, sprang von unserem Garagendach und wurde mit der Gravitationskraft bekannt gemacht, wobei ich mir beinahe den rechten Arm gebrochen hätte. Mit elf wünschte ich mir ein Tiger als Haustier und nannte meine Katze „Leo“, auch wenn dies eigentlich weniger Sinn machte. Mit vierzehn wollte ich die Welt umsegeln und sah beinahe eine Woche nicht mehr von meinem Grundkursbuch auf.

Wie kann es sein, dass ich nicht weiss was ich mir heute wünsche?
Klar, Superkräfte wären immer noch toll, doch ziemlich unrealistisch.

Ich denke, dass wir mit dem erwachsen werden aufhören uns Dinge zu wünschen. Wir hören auf von Dingen zu träumen, die unrealistisch sind. Doch sind wir damit glücklich? 
Ich werde jedoch nicht noch einmal aufhören zu träumen. Wir sollten uns ein Beispiel an den Kindern nehmen und wieder an etwas glauben, unsere Orientierung durch einen kleinen Traum wiederfinden und vielleicht werden wir unseren Traum nie verwirklichen, doch unsere Fantasie wird dadurch immer am Leben gehalten.



Donnerstag, 9. April 2015

Mister X (la décision)

Jeder kennt das Gefühl an einer Kreuzung zu stehen. Es gibt zwei Wege, die, in meinem Fall, beide genau in entgegengesetzte Richtungen zeigen. Rechts, links, richtig, falsch, Risiko oder Sicherheit. 
Ein Schritt, eine Richtung, eine Entscheidung. 
Wir treffen jeden Tag Entscheidungen, wir wählen, ja, wir haben die Wahl. Wer behauptet keine Wahl zu haben, sieht die Optionen nicht, versteckt sich oder ignoriert die Fakten. 
Vielleicht gibt es kein Richtig, kein Falsch. Es gibt nur den ersten Eindruck, der uns automatisch in eine Richtung lenkt, auf einen Pfad.

Um mich zu entscheiden mache ich keine Listen, kein Ordnen von positiven oder negativen Aspekten. Ich höre auf mein Gefühl, auf mein Herz und meinen Kopf. Meist sind sich die Parteien einig. Beinhaltet das Geschehen jedoch die Anwesenheit von Mister X, sind zumindest Verstand und Gefühl oft anderer Meinung. 
Wenn ich es überleben würde zweigeteilt zu werden, ich hätte es in Erwägung gezogen. Des Öfteren.

Hier stehe ich und schliesse die Augen um klarer zu sehen.

Mein Kopf sagt mir: Sicherheit. Es ist nicht ratsam sich in einen wilden Fluss zu stürzen, wenn man gerade erst wieder an Land gefunden hat. Es ist unvernünftig sich Hals über Kopf in etwas zu stürzen, dass einem keinen Halt geben kann. Das Risiko dabei zu ertrinken ist zu gross. Das Land ist nicht schlecht, es ist ruhig, es ist zuverlässig, kontrollierbar. 

Mein Herz sagt mir: Spring! Tauche ein in eine Welt voller Überraschungen, sei dein eigener Halt, denk nicht nach, sei mutig. Verändere alles, lass nichts unversucht, versuche zu schwimmen. Wer braucht einen Anker, wenn man Segel haben kann?

Und ehe ich mich versehe, wäge ich ab. Ich denke zu viel nach. Und da wird es mir klar. Ich habe keine Ahnung, was ich machen soll. Langsam öffne ich meine Augen. Ein Blick nach rechts, einen Blick nach links und ich laufe los. 
Ich verlasse meinen bisherigen Pfad. Ich beginne zu rennen. Ich habe mich entschieden.

Die Grashalme unter meinen Füssen biegen sich zur Seite. Ich spüre die feuchte Erde unter meinen Fusssohlen, den frischen Wind, der aus keiner bestimmten Richtung zu kommen scheint, meine Fingerspitzen, die die vorbeifliegenden Bäume streifen. Das Gefühl von etwas Neuem.
Mein Gefühl zeigte weder nach rechts, noch nach links. 
Es zeigte mitten ins Nichts. 
Mitten ins Alles. 
Mitten ins Abenteuer, auf einen Weg ohne Richtung.



In Schlangenlinien, ungezeichnet, unbeschrieben, doch nach vorn.