Donnerstag, 16. Januar 2014

Mister X (Eine Erinnerung an Vergessenes)

Die feucht-heisse Luft in meinen Lungen, gemischt mit dem betäubenden Gefühl, der Ekstase, bewegt sich jedes Glied, meines bereits schmerzenden Körpers, im Takt zur Musik. 
Der grosse Andrang der Menschenmasse und die Einflüsse meines letzten Getränkes, lassen mich eingeengt und fliegend zur gleichen Zeit fühlen.

Ich strecke mich und lasse meinen Kopf in den Nacken fallen, um die kühlenden Tropfen, des leichten Sommerregens, auf meiner Haut, zu spüren. 

Die jungen Leute um mich herum sind mir unbekannt. Ich kenne niemanden. Das ist gut, denn ich möchte selbst nicht gekannt werden. Ich möchte mich nicht unterhalten. Ein Aussenstehender würde mich nicht ansprechen. Selbst wenn, ich würde mich nicht darum kümmern.

Ich lasse meine Gedanken im Leerlauf. Ich schliesse die Augen und lasse mich einfach sein. Ich bin einfach. Ich denke nicht. Ich träume nicht.

Die Lichter blenden mir ins Gesicht und meine Pupillen verengen sich, trotz der geschlossenen Augen. 
Ein Regentropfen rollt mir über die rechte Wange, die Lichter gehen aus.

Ich öffne meine Augen. Meine Lider fühlen sich schwer an, als wäre ich aus einem tiefen Schlaf geweckt worden. 

Eine neue Melodie erklingt.

Die Scheinwerfer leuchten, mit der Intensität eines Blitzes, auf und da sehe ich ihn.

Er muss mich schon eine ganze Weile beobachtet haben, denn er lächelt. Ohne seinen Mund genau ausmachen zu können, bin ich mir sicher, dass er lächelt. 

Der Bass setzt ein.

Ich bemerke nicht, dass ich mich, seit den ersten Klängen, des neuen Liedes, nicht mehr bewegt habe. 
Ich stehe mitten in der Masse. 
Mein Schleier der Unsichtbarkeit war wie eine Blase um mich herum geplatzt. Ich werde wachgerüttelt, mit dem lautesten Geräusch, das es auf der Erde gibt. 
Die Stille.

Ich drehe mich Mister X wieder zu. 
Da ist niemand. Nur die unbekannten Leute, die ich mir selbst ausgesucht habe.

Vorsichtig versuche ich mich aus dem Gedränge zu befreien, das mir plötzlich zu dicht erscheint. Ellenbögen stossen mir in die Rippen. Immer wieder stolpere ich auf dem unebenen Boden, doch die Masse verhindert die Stürze.
Befreit aus dem Haufen schreiender und windender Körper, atme ich tief die Nachtluft ein. Ich fülle meine Lungen mit der belebenden Frische, als hätte ich seit Stunden nicht mehr geatmet.

Es regnet nicht mehr. 
Ich beginne zu frieren.
Mit dem Gefühl des Blickes von Mister X im Nacken und meinen Armen fest um meinem zitternden Körper, mache ich mich auf den Weg.






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