Freitag, 19. Juli 2013

Mister X (der Froschkönig)

Es war einmal. 
Eigentlich vor gar nicht allzu vielen Jahren. 
Was schreibe ich da Jahre? 
Es sind Wochen. 
Sieben, um genau zu sein.

Jeder kennt die Geschichte von Romeo und Julia. Zwei Menschen, die sich sosehr liebten und das vom ersten Augenblick an, in dem sie sich sahen. Wie ein Blitzschlag, fuhr es ihnen durch die Körper und sie wussten, sie würden lieber sterben, als getrennt zu sein. Nicht, dass dieser Wunsch nicht erfüllt worden wäre. Man war da nicht spiessig und liess sie von Dannen tanzen.

Vom Blitz getroffen zu werden, stellte ich mir immer schmerzhaft vor, doch an diesem einen Dienstag war es nicht schmerzhaft, es war wundervoll.

Abends gehe ich alleine mach Hause.  Heute ist mir kalt und mein Kopf fühlt sich schwer an. Mit hängenden Schultern erreiche ich meine Strasse und laufe die letzten paar Meter zu meinem Haus. 
In meinen Ohren dröhnen noch die letzten Gitarrenklänge. Grunge ist mein Heilmittel an Tagen wie diesen. 

Wenn man gegen eine Mauer läuft tut das weh. Kein Wunder. Man kriegt eine Beule und Kopfschmerzen. Man merkt, ich spreche aus Erfahrung.
Gegen einen Brustkorb, auf höhe der Nase, zu laufen kann genauso weh tun. 

Ich falle nach hinten und erwarte den Knall, wenn man mit dem Kopf auf dem Asphalt aufschlägt. Kein Knall, dafür eine Hand, die meinen Kopf stützt und vor dem Aufprall schützt.
Nachdem ich mich von meinem ersten Schock erholt hatte, blieb alles schwarz. 
Ich stand kurz davor, Panik zu kriegen, als ich bemerkte, dass ich meine Augen noch nicht wieder geöffnet hatte.
Langsam öffne ich meine Lider und blicke in die Augen meines Störenfriedes. Ich will gerade einen Wasserfall an Beschimpfungen abfeuern, als es mir erneut den Atem verschlug. 
Ein schöneres Objekt um hineinzulatschen, hätte ich mir kaum aussuchen können. 
Irgendwie erinnerte er mich an diese Männer, die einem immer aus Zeitschriften entgegenlächelten.  Mit einem entscheidenden Unterschied: Er lächelte nicht.
Seine Lippen bewegen sich. Ich verstand kein Wort und fasste mir erschrocken an die Ohren. Erleichtert, meinen Hörsinn nicht verloren zu haben, spürte ich wie mir meine Ohrstöpsel in die Hände fiehlen.

Nach diesem Dienstag, traf ich Mister X öfter. Nicht mehr mit der Nase gegen seine Brust, doch es begann etwas zwischen uns heranzuwachsen. Man begann sich zu verabreden, Spass zu haben, sich zu verlieben.
Alles war perfekt. 
Er verstand sich gut mit meinen Freunden, meinen Eltern, meiner Katze.

Eines Nachts, es war schön länger dunkel und wir liefen zu mir nach Hause, blickte er mir in die Augen und flüsterte kaum hörbar: "Ich liebe dich."
Jede normale Frau hätte ihr Glück kaum fassen können. Jede, ausser mir. Es passierte nichts. Keine Schmetterlinge, kein Herzklopfen, nichts.

Trotzdem traf es mich wie ein Blitzschlag. 
Ich hatte geglaubt, Mister X gefunden zu haben, einen anderen, doch dem war nicht so. Ich hatte jemanden gefunden. Jemanden. Irgendjemanden.
Nach dieser Nacht, habe ich ihn nie wieder gesehen.

Seither bin ich wieder fest davon überzeug, dass ich Blitzeinschläge nicht mag.

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