Freitag, 26. Juli 2013

Mister X (Ich und die grosse, böse Stadt)

Ein Arschloch zu lieben ist wie barfuss auf seine eigene, brennende Kippe zu stehen. -meine Wenigkeit

Es gibt nicht sehr viele, interessante Menschen auf der Welt. Traurig aber wahr. 
In einem Land, das so klein ist, dass man es auf einer Europakarte suchen muss, gibt es einen winzigen Kanton. Darin lebe ich in einem minimierten Dorf und einer noch beschränkteren Gesellschaft. 

In so einer Umgebung, bei der eine kalbende Kuh die Meldung des Tages ist, kommt man auf seltsame Gedanken, wie zum Beispiel einen Blog zu schreiben. 

Ich bin kein Stadtmensch. 
Sollte man nicht falsch verstehen.  
Ich liebe die Stadt, mit ihren strangen Leuten, den riesigen Wolkenkratzern, den Hipstern, obwohl mich letztere Fraktion eher aufregt, als fasziniert.

Es ist einfach so, wenn ich in einer Stadt bin, schwirrt mir der Kopf.
Ich bin es mich gewohnt, einfach über eine Strasse laufen zu können, ohne auf Lichtsignale oder Fussgängerstreifen achten zu müssen. 
Dass ich dies auch in Städten praktiziere, könnte einen der Gründe sein, weshalb ich schon neunzehn Mal angefahren (Schrägstrich) überfahren wurde.

In meiner Rechten einen Kaffee, (war mir egal woher, Hauptsache kein Starbucks. Ich verstehe diesen Hype nicht. Ist nur Kaffee.) in der Linken eine, beinahe gänzlich abgebrannte, Zigarette, lief ich an der meistbefahrene Strasse in Lausanne. 
Die Menschenmenge, die Hupen, die Rempler, zusammengemixt mit meiner Musik in den Ohren, ergaben ein plastisches Bild der Welt. 
Ich schwebte beinahe über den Bürgersteg. 
Es war einer dieser Sommertage, wie sie in Bilderbüchern dargestellt wurden. Nur haben die leider nie beschrieben, wie stickig es in einer Stadt wie dieser werden kann. 
Trotz der brütenden Hitze fühlte ich mich angenehm unbeschwehrt. 

Meine Haare kitzelten mich an meinem Nacken. Automatisch will ich mir den Haarknoten erneuern, doch da waren keine Strähnen rausgefallen.
Mit gerunzelter Stirn gehe ich weiter. 
Immer schneller, begleitet mit dutzenden Blicken über meine Schulter. 
Das Gefühl blieb. 
Als ich gerade die Strassenseite wechseln wollte, brauste ein Lieferwagen um die Ecke und überraschte mich sosehr, dass ich
Einfach auf der Stelle stehen blieb.
Passanten schrien, ohrenbetäubendes Hupen, dann ein heftiger Ruck und es war vorbei.
Nicht vorbei, im Sinne des Lebens, sonder in Bezug auf den Lärm.
Irgendetwas hatte mich am Arm von der Strasse gezerrt.
Ich war gerade dabei, mich (auf Ego versteht sich) als Glückspilz des Tages zu feiern, als sich mein Retter bemerkbar machte.
Dieses Lachen hätte ich überall erkannt. Es hatte etwas aufrichtig fröhliches, etwas befreiendes, doch in meiner Anwesenheit stets etwas herablassendes.

"Geht es dir gut, bist du verletzt?" Klar, dass er diese Frage NICHT gestellt hatte. 
"Könntest du bitte einmal selbst auf dich aufpassen. Das käme mir sehr gelegen, da könnte ich mir wieder Gedanken über Luftverschmutzung und Ozonlöcher machen, anstatt dir andauernd aus der Patsche zu helfen."

Als er diesen letzten Satz von sich gab, sich umdrehte und wie ein selbstverliebter Gockel von Dannen stolzierte, wünschte ich mir, der Lieferwagen hätte mich erwischt.

Gut, dieser Punkt ging an Mister X. 

Ich bin jedoch ein sehr schlechter Verlierer.

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