Dienstag, 4. Juni 2013

Geheimnisse

Am meisten fühlt man sich von der Wahrheit getroffen, die man sich selbst verheimlichen wollte. 
-Friedl Beutelrock

Jeder hat Geheimnisse. Ich würde weder jetzt, noch in hundert Jahren, jemanden finden, der keine hat. Manche haben kleinere, andere schwerwiegendere Geheimnisse. Jeden Tag, mit dem Beginn des Morgens, dem Aufstehen, dem Start in den Tag, gehen wir das Risiko ein entlarvt zu werden. 
Man lächelt, nickt und geht schnell weiter, um nicht angesprochen zu werden. Acht Milliarden Menschen in einer Welt, in der alle auf paralellen Linien gehen. 
Könnte ich Gedanken hören und ich sässe auf dem nahen Marktplatz, ich käme mit Geheimnisse entdecken nicht mehr nach. 
Grössere und kleinere, versteckte Wahrheiten, welche nur danach schreien gelüftet zu werden. 
Mit Lügen überdeckt, mit Ausreden vermauert und stehts bemüht, das wackelnde Fundament zu stützen.

Auch ich habe Geheimnisse. Keine weltbewegenden, denn die Welt kratzt es keinen Meter, wenn sich jemand meines verbunkerten Wissens zu vergreifen mag.
Es geht jetzt auch nicht darum, welche Wände ich bereits verschönert, wieviele Tiere freigelassen oder wem ich, aus Langeweile, bereits Unwahrheiten erzählt habe. 
Geheimnisse geraten in den Hintergrund oder werden vergessen, wenn man nicht öfter damit konfrontiert wird. 
Was die meisten Leute nicht wissen, ist, dass sie sich nicht zu schützen bräuchten, wenn sie sich ihrer Geheimnisse bewusst wären. 
Die Verschleierung, der persönlichen Bunkerschätze, ist ein Handwerk, dass man sich, mit ein wenig Übung, aneignen kann. 

Der Grund, weshalb trotzdem täglich Geheimnisse aufgedeckt und verbreitet werden, ist der, dass jene, nun ihres Amtes entledigten, Hüter nicht einmal wussten, was sie zu verbergen gehabt hätten. 

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