Ich liege im Bett. Sehr gemütlich, mit Leinendecke, Kopfkissen, Matraze und so.
Ich starre, den Blick an die Decke gerichtet, ins Leere und denke: Was wäre wenn?
Man kennt das Spiel, irgendwann verliert man sich in Gedanken, die man nie denken würde, wäre es nicht schon vier Uhr morgens.
Vier Uhr dreizehn:
Habe ich die Wäsche bereits in den Trockner getan? Habe ich morgen einen Test? Ach ja, Notenabgabe war bereits Dienstag. Also kein Test. Hausaufgaben? Hausaufgaben, was ist das? Whatever.
Vier Uhr fünfzehn:
Seit wann hängt ein Lavendelstrauss an meiner Decke? Wo zum Teufel kommt eigentlich dieser Riss her? Wann war das letzte Erdbeben in der Schweiz? Ich schau mal kurz bei Google. Am 26.06.13, aha was gelernt. Wieso gibt es eine offizielle, schweizer Erdbeben-Internetseite? Wieso habe ich nochmals Erdbeben gegoogelt? Ach ja, der Riss in der Zimmerdecke.
Vier Uhr achtundzwanzig:
Die Erde ist rund. Krass. Irgendwie angsteinflössend. Ist heute Jemand zum Mond geflogen? Sollte ich mal machen, auf den Mond fliegen meine ich. Was wenn ich mich auf dem Mond verlaufe? Was wenn ich alleine zurückgelassen werde? Sterbe ich dann einfach an Sauerstoffmangel? Bekomme ich dann einen Orden?
Besser keine Reise zum Mond.
Vier Uhr vierunddreissig:
Was wäre, wenn ich ein Mann sein könnte? So für einen Tag. Mal locker flockig den Körper tauschen. In welchem Körper würde ich mal gerne sein? Höre ich dann auch dessen Gedanken? Spüre ich dann auch seine typischen Reflexe? Werde ich auch so primitiv, auf Busen und Hintern starren und denken, die merken das nicht? Wen sollte ich wählen? Einen Freund aus der Schule? Nein, besser nicht, wenn ich danach, wieder mal, mit ihm ein Bier trinken möchte. Der Nachbar? Der Busfahrer?
Mister X. Ein Tag ein Arschloch sein. Tja, das wärs.
Vier Uhr achtundvierzig:
Wohin würde ich mich beamen, wenn ich gerade die Möglichkeit zu einem schnellen Ortswechsel hätte? Nach Alaska? Kolumbien? Eher Alaska, da sind weniger Leute und es ist kühler, mir ist heiss. Nein, Ernsthaftigkeit ist gefragt:
Zum Kühlschrank. Ich habe Hunger.
Fünf Uhr nullzwei:
Was bringt mir die Zukunft? Wo werde ich mal wohnen? Werde ich meine Ziele erreichen? Was sind eigentlich meine Ziele? Ich, als erfolgreiche Anwältin, lebe in einem Haus am Meer. Mit grosser, weisser Marmorterasse. Durch die Panoramafenster sehe ich jeden Abend den Sonnenuntergang.
Wieso heisst es eigentlich immernoch Sonnenuntergang, wenn die Sonne doch nie untergeht? Verarscht die uns? Ach nein, Geographie erstes Semester. Wir drehen uns und auch um die Sonne, deshalb ja die Jahreszeiten. Welches ist meine Lieblingsjahreszeit? Sommer, ganz klar.
Fünf Uhr elf:
Wieso sehe ich so oft die gleichen Leute? Sind der Welt die Statisten ausgegangen? Muss wohl.
Einmal umdrehen, mir ist der Arm eingeschlafen.
Sind das alles nur Statisten? Ist die ganze Umgebung nur eine einzige Fassade? Lebe ich in einem Filmstudio und mir sehen gerade millionen von Menschen zu, wie ich denke? Sind in meinem Zimmer Kameras? In der Schule? Im Bus? Sind alles nur Schauspieler? Meine Freunde, meine Familie, der Busfahrer?
Fünf Uhr fünfundzwanzig:
Ich denke zu viel. Definitiv.
Wie wäre es mit schlafen? Mal so als Vorschlag, zur Abwechslung. Was wenn ich jetzt einschlafe und nie mehr erwache? Gruselig.
Fünf Uhr fünfundvierzig:
Habe ich Tinitus?
Ach nein, der Wecker.
Mist, die Wäsche vergessen.
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